Der Grexit – wieso, weshalb, warum?

Verehrte Leserschaft. Jeder möchte gerne auf dem Laufenden sein, was wirtschaftlich und politisch in Europa und dem Rest der Welt gerade an aktuellen Themen wissenswert ist. Die Online-Medien haben den Printmedien mittlerweile mehr als nur ein bisschen den Rang erster Güte,  als Informationsquelle,  abgelaufen. Für uns ein guter Grund, in Zukunft wöchentlich Beiträge zu aktuellen, brandheissen Themen zu veröffentlichen. Wir sind der Meinung,  dass nüchterne Informationen in unterhaltsamer Form angeboten werden  können und  werden in den Beiträgen nicht nur das Wichtigste zusammenfassen, sondern Informationen so darlegen,  dass auch das Lesen Spass macht.

Aus aktuellem Anlass: der Grexit

Wer noch nicht weiss, was der Grexit ist – es ist keine neue Rheumasalbe und auch kein Insektenvernichtungsmittel für den kommenden Sommer, sondern eine findige Neuwortschöpfung der Journalisten und beschreibt in einem Wort den (möglichen) Austritt Griechenlands aus der Europäischen Staatengemeinschaft. Das ´Gr´ steht dabei für ´Griechenland´ und ´Exit´ ist Englisch für ´Ausstieg´ oder ´Ausgang´. Was das Wort noch nicht sagt, ist, ob Griechenland freiwillig austreten möchte oder ob es sich bald gezwungen sieht, dem Druck der Befürworterstaaten nachgeben zu müssen – dass Griechenland also ausgestiegen wird.

Was ist denn da los im Staate Europa?

Allein im Juni soll Griechenland 1.6 Milliarden Euro Schulden zurückzahlen. Da Griechenland bekanntlich pleite ist und auch ansonsten noch seine Rest-Infrastruktur aufrechterhalten muss, um nicht komplett im Chaos zu versinken, müsste es im gleichen Zeitraum 7.2 Milliarden neue Schulden machen. Das klingt paradox und ist es irgendwie auch. Vor allem ist die gute Frage: Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Wenn die (auf dem Papier) reichen Staaten wie Deutschland oder Frankreich Griechenland weiterhin Geld geben sollen, wollen Sie im Gegenzug dafür ernsthafte Reformen seitens der Griechen sehen und auch endlich deutlich spüren – denn irgendwann will Mutti und der Herr Schäuble auch mal Schulden – plus Zinsen – zurück haben und die Griechen sollen wieder einen funktionierenden Staat samt Wirtschaft haben. Und obwohl auch unter der kürzlich gewählten Regierung Tsipras mit ihrem zur neuen Stilikone verklärten Finanzminister Varoufakis – der krawattenlose Bruce Willis unter den Ministern in Europa – keine entscheidenden Reformen in Sicht sind, wird ein Grexit von den Regierenden in Rest-Europa weiterhin kategorisch ausgeschlossen.

Griechenland versus EU – und der lachende Dritte

Die Regierung Tsipras sperrt sich aber gegen die Doktrin der auferlegten Reformen. Die Gründe sind innenpolitischer Natur, ebenso, wie es eine unterschiedliche Sichtweise auf das aussenpolitische Geschehen gibt. Die EU-Staaten sagen mehr oder weniger: Ihr macht das jetzt mal, wie wir Euch das sagen und alles wird wieder gut, während die Griechen behaupten: Wir machen das so, wie wir das für richtig halten, wir brauchen eure Ratschläge nicht, sondern lediglich euer Geld. Geld fliesst auch weiterhin, immer verbunden mit Diskussionen über Sinn und Unsinn des Verhaltens beider Seiten in der Krise. Den wichtigsten Mitspieler in dieser Situation blenden aber beide Seiten ganz infantil aus, wenn Sie moralisch und politisch aufeinander losgehen – die internationalen Finanzmärkte. Denen wird das nämlich langsam ein wenig zu bunt. Griechenland macht 0.4 Prozent des Weltmarktes aus und jede neue, tägliche Meldung, erschüttert erdbebenartig Teile der Weltwirtschaft.

Die Banker und Fonds-Manager können aber in diesem Spiel gar nicht verlieren und haben schon längst damit begonnen, gegen Griechenland, also auf einen Grexit zu wetten. Für Weltfinanzler ist das ein Kinderspiel und weder Griechenland noch die anderen, vermeintlich starken EU-Staaten, können letztendlich viel dagegen unternehmen. Das Geld, welches Merkel und Hollandé nach Griechenland pumpen, um zu retten, was vielleicht gar nicht mehr zu retten ist, werden sich die Finanzmärkte mit Freuden einverleiben. Wenn der Grexit kommt, so sind sich die Experten einig, wird der Euro (noch) schwächer und vielleicht sogar kollabieren. Dann verlieren alle – bis auf die Banken. Denn die haben das schliesslich auch beizeiten kommen sehen.

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